Vor einigen Wochen erreichte uns eine ziemlich interessante Mail in unserem Postfach. Der Betreff? Einladung zu einem privaten Supper Club in Stuttgart. Das Konzept eines Supper Clubs interessierte uns schon sehr lange und so beschlossen wir entgegen unserer Regel uns nie von Restaurants einladen zu lassen, dieses Angebot anzunehmen. Das möchten wir euch als Leser_innen natürlich klar offen legen.

Bei einem Supper Club kocht eine Privatperson innerhalb seiner eigenen vier Wände ein (hoffentlich) leckeres Menü für fremde Gäste. Wir wurden von Lutz eingeladen, der seinen Supper Club treffend „Zu Gast bei Lutz“ nennt. Die Anmeldung bzw. Bewerbung für ein Essen bei Lutz läuft über seine Homepage. Dort veröffentlich er die neuen Termine und auch das jeweilige Menü. Daraufhin kann man sich für einen Platz an seinem Tisch bewerben. Er wählt maximal 10 Gäste aus, wobei es ihm wichtig ist, dass diese zu ihm und zueinander passen. Die Menüs variieren preislich zwischen 40 – 60 Euro und haben immer ein bestimmtes Motto.

Wir sind ein wenig aufgeregt als wir letzten Samstag Abend die Wohnung von Lutz aufsuchen. Was ist das für ein Mensch der Fremde zu sich zum Essen einlädt? Welche anderen Leute werden dort sein? Und vor allem: wie wird das Essen wohl schmecken?

Ein freundlich strahlender Gastgeber öffnet uns die Tür und reicht uns auch schon einen erfrischenden alkoholfreien Aperitif. Zu Gast sind an diesem Abend noch drei weitere Personen, daher ist die Runde eher klein, aber nicht minder interessant. In kürzester Zeit ergibt sich ein angeregtes Gespräch über das bevorstehende Menü zum Thema Vanille, die jeweiligen beruflichen Hintergründe, gute Restaurants in Stuttgart und vieles mehr. Lutz erklärt, dass ihm das Kochen und Essen gehen schon immer großen Spaß bereitet hat. Er möchte jedoch kein Restaurant eröffnen, weil er sich sonst zwischen Büro, Service und Küche entscheiden müsste. Gerade die Kombination zwischen Kochen und dem gemeinsamen Essen mit seinen Gästen reizt ihn aber am meisten. Die Leidenschaft für gute Zutaten, außergewöhnliche Rezepte und verschiedenste Kochmethoden spricht aus jedem seiner Worte. Hier sitzt ein wirklich leidenschaftlicher Hobbykoch vor uns. Wenn er am Tisch sitzt erhalten wir spannende Informationen über die jeweiligen Inhaltsstoffe des Menüs und die Zubereitungsart. Immer wieder zieht er sich in die Küche zurück.

Um es offen zu gestehen: beim Menü Milli Vanilli hatten wir zunächst große Angst, dass alles einfach nur süß und platt nach Vanille schmeckt. Weit gefehlt! Lutz findet in jedem Gang passende Kombinationen und setzt die Vanille mal stärker, mal sparsamer ein. Die Vanillearten variieren je nach den anderen Zutaten. Dabei werden keine Fertigprodukte verwendet und fast alles was auf den Tisch kommt ist bio. Folgendes wird an besagtem Abend serviert:

Bruschetta Trio

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Triobunte Tomaten, Basilikum & Vanille-Öl: Eine bewährte Bruschetta Mischung mit eher schwacher Vanille Note.

Avocado mit Granatapfel & Vanille-Fleur de Sel: Eine tolle Kombination zwischen fruchtigem Granatapfel, sämiger Avocado, knusprigem Brot und selbstgemachtem Vanillesalz.

Vanille-Oliven-Tapenade (mit Vanilla Planifolia von den Komoren): Eine über 10 Tage durchgezogene Olivencreme mit wunderbar, intensiver Vanillenote und einer überraschenden Säure durch Zitronensaft. Ein absoluter Geschmacksknaller!

Carpaccio von roter Beete an Vanille-Vinaigrette mit Orangen-Risotto-Rösti (mit Vanilla Pompona aus Mexiko)

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Dünn aufgeschnittene rote Beete mit einem leichten, zarten Geschmack und einer fruchtig süßen Vanille-Orangen Sauce. Das Rezept für das Rösti hat Lutz von einem seiner Lieblingsrestaurants in Stuttgart, dem Restaurant Lässig in der Markthalle am Vogelsang. Eine überraschende Kreuzung zwischen Risotto und Rösti, die mit der fruchtigen Note der Orange perfekt zur roten Beete sowie der Vinaigrette passt.

Exotisches Vanille-Kürbis-Lauchschaumsüppchen mit Jakobsmuschel (mit Vanilla Planifolia aus Madagaskar)

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Unser absolutes Lieblingsgericht des Abends! Eine sehr würzige, leicht scharfe, aber doch vanillige Suppe mit einer super gegarten Jakobsmuschel. Lutz selbst mag keinen Fisch und bekommt es trotzdem hin die Jakobsmuschel auf den Punkt zu braten. Respekt!

Hähnchenbrustfilet „réunionnaise“ mit Urmöhren und Reis „Black&White“ (mit Vanilla Planifolia aus La Réunion)

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Das Rezept für den Hauptgang hat Lutz von der Insel La Réunion. Diese hieß früher Île Bourbon und war so namensgebend für die Bourbon Vanille, die dort angebaut wird. Das Hähnchen ist super gebraten, tritt jedoch etwas zurück und überlässt der Vanille-Sauce das Feld. Sie ist intensiv und süß. Im ersten Moment eine etwas zu heftige Kombination für unseren Gaumen, aber nach dem zweiten Biss ein wirklicher Genuss. Die Geschmacksnerven gewöhnen sich an die Kreation und schreien „MEHR DAVON!“. Dazu wird ein Basmatireis serviert, der so Lutz, eigentlich nur die Sauce transportieren soll. Der schwarze Reis hat hingegen einen würzigen Eigengeschmack, der uns überzeugt. Auch die knackigen, leicht erdigen Urmöhren passen sehr gut zum Hauptdarsteller Vanille-Sauce.

Tahiti-Vanille-Mousse von weißer Schokolade auf Portwein-Beeren-Grütze (mit Vanilla Tahitensis)

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Beeren-Grütze mit perfekter Konsistenz, den Portwein schmecken wir nicht richtig raus, das ist aber gar nicht schlimm. Das Vanille-Schoko Mousse passt natürlich super dazu und wir können einen kleinen Nachschlag einfach nicht ablehnen.

Kontakt: Zu Gast bei Lutz | www.zugastbeilutz.com | ca. alle zwei Monate

Tipp: Bewerben! Ausprobieren! Mutig sein! Der nächste Termin findet am 21.11. statt und wird sich rund um die österreichische Küche drehen.

Küche: International

Bezahlt: Wir wurden eingeladen, der Unkostenbeitrag beträgt sonst 49€ pro Milli Vanilli Menü inklusive alkoholfreier Getränke.

Mein Fazit: Leidenschaftlich gekochtes, geschmacklich ausgewogenes, hausgemachtes, kreatives Essen mit einem freundlichen Service und viel Liebe zum Detail. Ein großartiger Abend!

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