Willkommen bei Teil 2 unseres Tokio Specials. Dieses Mal wollen wir euch vier Restaurants vorstellen, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind:

1. Narisawa

Mit zwei Michelin Sternen und Platz 8 in der „The Worlds 50 Best Restaurants“ Liste gehört das Narisawa wohl zu den besten Adressen in Tokio. Chefkoch Yoshihiro Narisawa hat sich hier auf die japanische Küche mit französischen Einflüssen fokussiert. Erster Eindruck: was für ein sympathischer, bescheidener Typ! Während Starkoch Massimo Bottura ein ganzes Restaurant alleine unterhalten kann, schlägt Yoshihiro eher ruhige Töne an. Geradezu schüchtern erklärte er seine Verbundenheit zur Natur und den Lebensmitteln.

Die Gänge variieren dabei zwischen „ganz lecker!“ und „woooooooaaahhhhhhhhrrrrrrrrrrrr, alter was geht hier für’n Film“. Inszeniert war jedes Gericht mit viel Liebe zum Detail. Das Highlight war wohl der Hauptgang. Eine Taube in solcher Perfektion haben wir noch nie gegessen. Auch sehr lobenswert: die Petit Four. Während viele Sterneküchen dabei gerne mal schlampen, war hier jede Variante ein Gaumenschmaus. Wieso das Restaurant nur zwei Michelin Sterne erhalten hat, ist uns immer noch ein Rätsel. Verglichen zu manchen deutschen Vertretern mit zwei Sternen ist es um Welten besser, kreativer und ehrlicher. Die Art und Weise wie aus typischen saisonalen japanischen Lebensmitteln, wie Matcha, Kirschblüten oder bestimmten Fischsorten, stimmige Gesamtkunstwerke gebildet wurden, war atemberaubend. Bei jedem Gang spürte man die Verbundenheit Narisawas zu seiner Herkunft und der Service klärte kompetent über die zugrundeliegende Philosophie auf. So ist es dem Chefkoch wichtig, dass die Menschen wieder wissen woher die Lebensmittel kommen und was sie auszeichnet. Außerdem verwendet er kaum unnatürliche Süßungsmittel und versucht die natürlichen Geschmacksnoten jeder einzelnen Zutat zur vollen Entfaltung zu bringen. Ein fantastischer Nachmittag und eines der besten Restaurants, die wir jemals besucht haben. Wer 180€ pro Person auftreiben kann, sollte hier unbedingt vorbei schauen.

Japan narisawa gras

Der erste Gang – eine Hommage an den Wald

Japan narisawa reischips

Japan narisawa ceviche

Japan narisawa brot

Der Teig für das leckere Brot geht vor unseren Augen auf.

Japan narisawa petit

Eine große Portion kleiner Köstlichkeiten

 

2. Soba

Selbstverständlich sind Restaurants im Preissegment des Narisawa oft ein absolutes Highlight. Dennoch können sie selten überraschen, da man von einer gewissen Qualität der Speisen ausgeht. Schön, wenn man dann völlig unerwartet ein hervorragendes Lokal entdeckt. So geschah es uns nach einer langen Sightseeing-Tour durch Tokios Hochhäuser Schluchten im Ginza Viertel.

Das Verlangen nach einer schönen warmen Suppe kann in Japan durch unterschiedliche Gerichte gestillt werden. Soba, Udon oder Ramen sind wohl die bekanntesten und beliebtesten Nudelsuppen. Wir planen unsere Stadttouren meistens um Restaurantbesuche, aber diesen Nachmittag hatten wir mal ausnahmsweise keine Reservierung oder spezifischen Lunchspot im Auge. Also stellten wir uns in eine der zahlreichen Schlagen, die es hier in Tokio vor vielen unterschiedlichen Läden zur Genüge gibt.

Nach 45 Minuten begleitete uns ein fleißiger Mitarbeiter in einen unglaublich kleinen Raum mit acht Sitzplätzen. Chicken Soba war hier das Gericht der Wahl und so setzten wir uns an den Tresen. Dieser war wie ein „U“ geschnitten und der Mitarbeiter von zuvor stand wie ein Dirigent in dessen Mitte. Mit geschickten Handgriffen deckte er die Gäste mit Stäbchen, Wasser und Erfrischungstüchern ein. In kürzester Zeit stand eine dampfende Schüssel Soba vor uns. Soba heißen eigentlich die bräunlichen Nudeln, die aus einer Mischung aus Buchweizen- und Weizenmehl hergestellt werden. Sie können kalt und ohne Suppe oder in Unterschiedlichen Zusammenstellungen mit frittiertem Tofu oder Tempura serviert werden. Hier schwammen sie in einer wundervollen Hühnerbrühe, mit einem verlorenen Ei, Hühnerstücken und etwas Gemüse.

Was in dieser kleinen Schüssel serviert wurde, kann man einfach nicht in Worte fassen. Die Brühe hatte einen so intensiv, aromatischen Geschmack, dass wir beinahe vom Stuhl gefallen sind. Ich habe noch nie etwas gegessen, dass so intensiv nach Huhn geschmeckt hat und so eine geradezu samtige Konsistenz hat. Ganz klar: diese kleine Schüssel war pure Perfektion. Und das alles für umgerechnet 8 Euro.

Japan soba

 

3. Nakamura Sushi

Sushi in Japan, da widerspricht sicher niemand, ist nicht zu vergleichen mit jenem das in Deutschland auf den Tisch kommt. Fisch und Reis gepaart in Perfektion – das wollten wir suchen. Um zunächst tollen Fisch zu finden ist der Tsukiji Fischmarkt wohl die erste Adresse. Wir waren überwältigt von diesem wuseligen Ort und der Vielzahl unterschiedlichster Leckereien aus dem Meer. Gleichzeitig taten uns die Verkäufer hier sehr leid, da ihre Arbeit massiv durch die fotografierenden, rumstehenden Touristen behindert wird. Aus diesem Grund darf man den Fischmarkt erst ab 9 Uhr besuchen, denn zuvor sollen die zahlenden Kunden genug Platz zum Verhandeln haben. Aber ab diesem Sommer soll der Markt sowieso in ein neues Gebäude umziehen und wie es dann mit Touristenbesuchen wird, ist noch ungewiss.

Ein kleiner Spezialtip von uns: neben dem Fischmarkt gibt es ein großes Parkhaus. Nehmt den Aufzug in den obersten Stock und genießt von dort den Ausblick über den Markt und den Hafen.

Aber nicht nur der hervorragende Fisch macht den Unterschied zu unserem deutschen Sushi aus. Das lernten wir spätestens bei unserem Besuch bei Nakamura Sushi. Auch der Reis hat eine vollkommen andere Konsistenz. Das Ziel eines guten Sushimeister ist es das Nigiri so zu machen, das Reis und Fisch im Mund die perfekte Symbiose eingehen. Der Reis darf nicht zu fest sein und muss sobald er im Mund ist zerfallen. Das Sushi ist nie kalt sondern hat immer Zimmertemperatur. Bei Nakamura Sushi hatten wir die Gelegenheit dem Sushimeister zuzuschauen. Das Restaurant hat nur acht Plätze, die sich alle am Tresen befinden hinter dem gewerkelt wird. Zwei Kellnerinnen kümmerten sich um Getränke und unsere Garderobe, während der Sushimeister und zwei Gehilfen das Essen zubereiteten. Zur Auswahl gibt es in solchen Restaurant nur das „Überraschungsmenü“ des Meisters. Wir ließen uns voller Vorfreude auf alles ein, das uns serviert wurde. Wir wurden nicht enttäuscht! Der Reis, der Fisch, die Präzision bei der Zubereitung einfach atemberaubend!

Japan sushi

Japan eiersushi

 

4. Dons de La Nature

Das erste mal Wagyu Beef in unserem Leben – Aufregung! Wie zuvor schon beschrieben waren wir erstmal begeistert vom Service und der leidenschaftlichen Hingabe des Chef des Hauses. Die Zubereitungsart auf dem besonders heißen Grill war interessant. Als die fertigen Fleischstücke schließlich auf unserem Teller lagen und wir den ersten Bissen taten, kam uns nur ein Gedanke: Fleischbutter! Das Fleisch zerfloss förmlich auf der Zunge und der hohe Fettgehalt umhüllte den gesamten Mundraum. Gleichzeitig breitete sich ein intensiver Fleischgeschmack aus, der noch Stunden später in unserem Mund war. Als die Rechnung uns schließlich vorlag wurde uns aber fast genauso schwindelig wie beim Verzehr des Fleisches. Pro Person müssen doch 140 € gerechnet werden. War es das wert? Wir bereuen nichts und sind froh dieses unglaubliche Fleisch einmal probiert zu haben. Aber ein perfektes „normales“ Steak ist für uns beim nächsten Mal auch wieder in Ordnung. Falls das Urlaubsbudget also nicht ganz so viele Extravaganzen zulässt, steht unsere Empfehlung fest. Im Preis-Leistungsverhältnis gewinnt für unseren Geschmack das Narisawa und bietet zudem auch ein hervorragendes Steak als Hauptgang an. Aber ein klassisches, hochwertiges Sushirestaurant ist noch ein viel größeres Must-eat.

Dons de la Nature

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